30 Minuten Kunst

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Der Podcast über alte und neue Meisterwerke, Künstlerinnen und Künstler

Transkript

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00:00:04:

00:00:13: Hallo und herzlich willkommen zum Podcast Dreißig Minuten Kunst.

00:00:16: Ich bin Jens Trocher, heute in einem Atelier der neuen Nationalgalerie.

00:00:22: Das steht da nicht immer, wenn Sie sich vielleicht auch denken aber ich habe jemanden, der mir erklären kann was das für ein Atelier ist von wem es ist Und zwar ist das Doktor Maike Steinkamzi der Ausstellung Brancusi zusammen mit Klaus Biesebach und den Kolleginnen und Kollegen vom Songgebombidou aus Frankreich.

00:00:44: Liebe Frau Steinkamp, warum steht in der schönen Eingangshalle ein Atelier?

00:00:49: Und von wem ist das?

00:00:51: Das Atelier ist von Konstantin Brancusi und es ist eine Rekonstruktion seines Ateliers, was normalerweise ganz ursprünglich in Paris stand wo er gelebt und gearbeitet hat.

00:01:05: Und nach seinem Tod im Besitz des französischen Staates gekommen ist und seit langer Zeit vom Centre Pompidou in Paris verwaltet wird.

00:01:14: Helfen Sie mir!

00:01:15: Warum ist so ein Atelier?

00:01:17: so gut erhalten und vor allen Dingen, ich finde fast vollständig.

00:01:22: Für Brancusi war sein Atelier seinen Arbeits- und Lebensort.

00:01:26: das heißt er hat sehr gut auch das Atelier aufgepasst und sich sehr gut darum gekümmert und von daher hat er auch noch vor seinem Tod sich darum gekümmern dass es in der Form erhalten bleibt wie er ist quasi der Nachwelt hinterlassen hat Und er hat das dem französischen Staat hinterlassen.

00:01:46: Der französe Staat musste sich dementsprechend darum kümmern und hat es in diesem guten Zustand erhalten, beziehungsweise durch die Kolleginnen und Kollegen des

00:01:55: Sontre-Pompidous.".

00:01:56: Jetzt müssen wir kurz über den Künstler reden – Brancusi!

00:01:59: Hab ich schon irgendwo mal gehört?

00:02:03: Aber ich glaube, ich hab noch nie was von ihm gesehen.

00:02:05: Warum

00:02:06: nicht?!

00:02:07: Tatsächlich finden sich in deutschen oder insgesamt den europäischen Sammlungen relativ wenige Werke von ihm in öffentlichen Sammlung.

00:02:16: Das kommt daher, dass er relativ früh, neunzelnaht dreizehn Erfolg in den USA hatte.

00:02:23: Er hat in der berühmten Armory Show ausgestellt, in New York.

00:02:26: Das war die Ausstellung für zeitgenössische Kunst in den USA in dieser Zeit und dort war er mit einigen Skulpturen vertreten und hat dort gleich Aufmerksamkeit erregt dort dann die Sammler gefunden, die ihn auch Zeit seines Lebens unterstützt haben.

00:02:46: Und das heißt viele seiner Werke und hat generell gar nicht so viele geschaffen befinden sich in Sammlungen in den USA und weniger in

00:02:55: Deutschland.".

00:02:56: Sie haben gerade gesagt er hat Aufmerksamkeit erregt und ich kann mir vorstellen warum weil viele Werke vor denen man hier steht in der neuen Nationalgalerie, denkt man einfach, oh mein Gott sind die schön.

00:03:10: Und gleich das erste bei unserem kleinen Rundgang ist so eins – Die schlafende Muse!

00:03:16: Was ist die Schlafende Muse?

00:03:18: Die schlafene Muse ist ein auf die Seite gelegter Kopf mit geschlossenen Augen und das Besondere an dieser Skulptur, die er in verschiedenen Versionen über einen bestimmten Zeitraum beschaffen hat.

00:03:35: Das ist nur ein isolierter Kopf, der auf der Seite liegt.

00:03:39: Es ist kein Torso, es ist keine Büste ... Alles was man von der klassischen Bildhauerei aus dieser Zeit kennt.

00:03:48: Sondern das ist wirklich ein Kopf, den auf das Wesentliche reduziert ist und das ist auch das, was sein Werk ausmacht oder das, dass er verfolgt hat.

00:04:01: Köpfe, Tiere und was er sonst so geschaffen hat.

00:04:04: Dass man das bis auf die Gesichtszüge auf das Wesentliche resuziert und trotzdem als Kopf erkennbar

00:04:11: lässt.".

00:04:12: Das war aber nicht immer so, weil er hat zum Beispiel auch bei Augusto da etwas gelernt – und das sah dann schon ganz anders aus!

00:04:23: Genau, in der Ausstellung zeigen wir auch die Skulptur Der Schlaf.

00:04:27: Das ist eine seiner Frühstenskulpturen aus dem Jahr und da sieht man schon, wie kurzer Zeit er zu seiner eigenen Formensprache gefunden hat.

00:04:37: Weil der Schlaf ist noch sehr an August Routin orientiert aber hebt sich gleichzeitig stark von dessen Formenssprache ab.

00:04:51: Also man sieht, es ist ein Marmor.

00:04:54: Ein Kopf schält sich aus diesem Marmor heraus wie man das auch von den Skulpturen von Rodin kennt.

00:05:00: aber trotzdem sieht man schon ganz spezifische Charakterzüge der Werke die Bankusi später entwickeln würde.

00:05:08: und das Interessante ist Bankusi ist nach Paris gekommen aus Rumänien aus Bucharest wo er studiert hat und seine Ausbildung absolviert hat Fuß von Rumänien bis nach Paris zu Fuß den Weg zurückgelegt hat.

00:05:27: Und dann hat er sich eben in den ersten Jahren als Tellerwäscher und mit verschiedenen Gelegenheitsjobs durchgeschlagen.

00:05:34: Und hat dann eben, um es zu sehen, kurzzeitig auch als Assistent bei August Rodin gearbeitet nur, um festzustellen, dass das nichts für ihn ist.

00:05:46: Und zwar ... Das ist das Zitat, was man immer gerne unter großen Bäumen kann nicht wachsen.

00:05:53: Also... Er musste quasi Rodin wieder verlassen, sein großes Vorbild um zu seiner eigenen Formensprache zu finden.

00:06:01: Ist überliefert.

00:06:02: was Rodin von dieser Formenssprache von Brancusi hielt?

00:06:06: Das weiß ich nicht!

00:06:07: Ich meine man muss sich vorstellen Rodin war so derzeit wirklich der Superstar der französischen Kunstszene.

00:06:14: also er hatte ein riesiges Atelier mit Assistenten und hat eben gut verkauft hat eben auch in so einer Gemeinschaftsleistung seine Skulpturen hergestellt, wie es zu der Zeit üblich war.

00:06:27: Und Brancusi wiederum und das sieht man vor allen Dingen auch in seiner Skulptur Der Kuss wo er die erste Version von sieben ist also aus dem Jahr wo er noch bei Rottern gearbeitet hat Gruppe von zwei Menschen, die aus einem Block gehauen ist.

00:06:46: Und das ist das was Brancusi in die Skulptur eingefahren hat.

00:06:49: Also es teilt direkt das Direkt aus dem Stein heraus seine Skulpturen entwickeln also nicht mehr aus einem Tonmodell wie es noch Rodin gemacht hat sondern aus dem direkten Bahauen des Steins.

00:07:03: Und das gibt insbesondere auch dem Kurs eben so eine sehr archäische Note und auf der anderen Seite eben auch eine enge Verbundenheit.

00:07:12: Das Tolle daran finde ich, ist dass Rodin ja selber auch eine Skulptur gemacht hat die der Kurs heißt.

00:07:19: Das sind zwei innig umschlungende Menschen die aber gut ausgearbeitet auch auf so einem Stein liegen und sich küssen.

00:07:28: Und dass Bankosi eben als junger Mann, als jungerer Bildhauer dessen Karriere noch gar nicht richtig begonnen hat, sich quasi diesem berühmten Motiv von Rudin Whitmanndt und daraus was ganz anderes macht ist schon ziemlich dreist!

00:07:44: oder ziemlich selbstbewusst um das sozusagen.

00:07:46: Also das finde ich total faszinierend, also er wusste schon genau wo er hin wollte.

00:07:54: Ich muss zugeben, ich war am Anfang etwas skeptisch als ich hörte ein Bildhauer dessen Werke über hundert Jahre alt sind der stellt in einer neuen Nationalgalerie oder wird er ausgestellt und zwar gleich oben wenn man reinkommt in dieser fantastischen licht durchfluteten Halle.

00:08:10: aber es funktioniert.

00:08:12: warum funktioniert das?

00:08:14: Ich glaube, es funktioniert so gut, weil für beide – also sowohl für Konstantin Brancusi als auch für Mies van der Rohe galt les Ismo.

00:08:25: Und das heißt diese Reduzierung auf das Wesentliche bei Mies Van der Rohes in der Architektur, in dieser hohen Glasshalle wie Sie's gerade schon beschrieben haben und mit diesen Marmor-Wänden und der ansonsten große offene Raum, in dem sich die Skulpturen auch so entfalten können.

00:08:43: Und dann eben das Werk von Konstantin Brancusi dass eben auch zum Prinzip hatte mit der Reduzierung auf das wesentliche eben den größtmöglichen Ausdruck zu finden und ich glaube die Kombination von diesen beiden Hironen des zwanzigsten Jahrhunderts passt einfach

00:09:04: perfekt.

00:09:05: Zu seinem großen Künstler gehört natürlich auch ein großer Skandal, wenn man denn die Skulptur Princess X sieht.

00:09:15: Die den einen oder anderen an das eine oder andere erinnert.

00:09:21: Das haben Sie über schön schwammig formuliert!

00:09:25: In der Tat ist Princess X ist ein Porträt in erster Linie aber es als solches beziehungsweise Ja, ein Seitenprofil einer Frau.

00:09:37: So wollte es Broncosie ursprünglich verstanden wissen.

00:09:41: Er hat die Arbeit in den Jahr neunzehundert und zwanzig auf dem Salon des Indépendants – ich kann's nicht aussprechen – aus dem Salons des Independants in Paris ausgestellt und es ist überliefert dass entweder Picasso oder Matisse ausgerufen haben oh ein Fallus!

00:10:01: Und tatsächlich sieht das Werk, gerade weil es so reduziert ist.

00:10:07: Weil man eben die Gesichtszüge dieser Frau aus der Seitenansicht präsentierten Frauen nicht sofort erkennen kann.

00:10:15: Eben tatsächlich aus wie ein männliches Geschlechtsteil und ich glaube diese Ambivalenz war durchaus gewollt und bewusst eingesetzt.

00:10:25: Ich bin mir immer noch nicht ganz klar ob bewusst skandal-trächtig eingesetzt worden ist von ihm oder ob es eben wirklich um diese Ambivalenz und Ambiguität der Darstellung geht, also um das männliche, das weibliche.

00:10:45: Was isst denn nur?

00:10:46: Also diese Nichterkennbarkeit und auch diese Offenheit in der Interpretation weil je nachdem wo man vor dem Werk auch in der Ausstellung steht sieht man eben durchaus Haare und eine Rückenpartie Man sieht eben so einen geneigten Kopf.

00:11:02: Wir haben in der Ausstellung auch ein gemaltes Portrait von diesem Seitenprofil dieser Frau und wenn man das vor Augen hat, sieht man es vielleicht eher als den Fallus aber der ist eben auch ganz offensichtlich da Und wenn man denkt wann das Werk geschaffen wurde ist er eben auch in dieser Darstellung was ist männlich?

00:11:23: Was ist weiblich?

00:11:25: wie definiert sich das überhaupt?

00:11:26: eben auch einer der ganz frühen, der sich solche Fragen überhaupt

00:11:31: stellt.

00:11:32: Ich empfehle unbedingt, sich dieses Werk von mehreren Seiten anzuschauen.

00:11:37: Neunzehnthundertneuen, wenn ich richtig gelesen habe.

00:11:40: ist das veröffentlicht beziehungsweise hat er das hergestellt?

00:11:45: Woraus ist das?

00:11:47: Es gibt verschiedene Versionen, also die Version, die wir in der Ausstellung zeigen ist aus Gips.

00:11:52: Aber es gibt auch eine Bronx-Version, die natürlich noch viel mehr scheint und poliert ist, indem man sich selber spiegelt, wodurch man nochmal eine ganz andere Ebene der Wahrnehmung bekommt was ganz interessant ist.

00:12:06: Und tatsächlich ist es so dass Brancusi seine Skulpturen in verschiedenen Materialien ausgeführt hat.

00:12:13: Sei es eben also in Marmor, in Gips, in Bronze und wir haben einige Gipse in der Ausstellung und das ist auch... Es kommt alles aus dem oder.

00:12:24: viele der Objekte die wir zeigen kommen aus dem Nachlass des Sontre Pompidous, aus dem nachlass Brancusii Bankusi konnte sich schlecht von seinen Skulpturen trennen.

00:12:34: Das heißt, immer wenn er ein Werk verkauft hat aus seinem Atelier was eben nicht nur sein Schaffensort war sondern auch der Ort an dem er Sammler-Händler eingeladen hat damit die seine Werke kaufen konnten einen Gipskuss hergestellt von diesen Werken.

00:12:55: Und weil er eben nicht ertragen konnte, dass ein Platz im Atelier, wo das Werk stand, leer blieb?

00:13:03: Ich finde es unglaublich sympathisch, dass eine Künstler seine Werke einfach nicht weggeben will.

00:13:08: Das ist so der Gegenentwurf zu dem Kunstmarkt aber er musste ja auch von irgendetwas leben.

00:13:14: Sie haben gerade das Material angesprochen.

00:13:15: sie haben ganz unterschiedliche Ausführungen oder Materialien in der Ausstellung.

00:13:20: Der Vogel im Raum, der glänzt wie ein Vogel am Frühling.

00:13:27: Der ist aus der Glänz-Golden.

00:13:29: Das ist aber kein Gold, oder?

00:13:31: Nee, das ist Bronze.

00:13:32: Also, Brancusi hat seine Werke in Bronze gießen lassen und ganz wichtig war ihm dabei, dass die Werke immer wieder zu ihm zurückkommen und dass er die Werge dann noch mal polierte.

00:13:44: also es konnte über Tage, über Wochen gehen, dass er eben seine Bronzen nochmal nachbearbeitete und polierte um sie eben genauso scheinig zu machen uns so reflektierend wie wir sie hier auch in der Ausstellung sehen.

00:14:01: Und das war eben auch Teil seines Schaffensprozesses.

00:14:07: Dass er diese Reflektion, die das Licht auf die Bronze brachte, dass er das mit einkalkuliert hat.

00:14:14: Weil für Brancusi war nicht nur die Skulptur an sich wichtig, sondern auch ihre Verordnung im Raum.

00:14:24: Das heißt, wenn er seine Sachen ausgestellt hat ... Immer sehr darauf geachtet, wo sie standen und wie sie inszeniert wurden.

00:14:32: Und da ist er leider in der Vergangenheit dann eben auch öfter enttäuscht worden.

00:14:38: Auch deshalb wurde sein Atelier zu so einer zentralen Wirkungsstätte für ihn, weil da hatte er alles unter Kontrolle.

00:14:45: Da konnte er seine Skulpturen so platzieren und an den Orten platziern, wo er es wollte.

00:14:51: Und eben auch in der Art und Weise inszenieren, wie er es für richtig gehalten hat.

00:14:58: Also auch da es überliefert, dass er eben seine Skulpturen oft mit Tüchern verdeckt.

00:15:04: Und wenn dann ein paar Suche kommt, hat er die abgezogen und teilweise haben die Skulptur, hat sie aufs Sockel gestellt, die rotierten, wo dann noch mal besondere Lichtreflexe kamen.

00:15:16: Er hatte den Raum in dem seine Skrukturen standen immer

00:15:19: mitgedacht.".

00:15:21: Ich würde ja gerne wissen ob man das heute noch polieren muss?

00:15:25: Weil Bronze habe ich irgendwann mal gelernt, läuft ja auch gnadenlos an.

00:15:31: Die Restauratoren haben natürlich zu tun aber dieser Vogel aus der in den neunzelhundertvierziger Jahren entscheidend und quasi so der Höhepunkt seiner Auseinandersetzung mit dem Motiv des Vogels ist gehört zur Sammlung das Sontre-Pompidos.

00:15:47: wahrscheinlich müsste man da die Restauraturenkolleginnen fragen wie oft sie ihn polieren müssen.

00:15:53: Jetzt nochmal ganz kurz zu dem Werk.

00:15:55: Man sieht natürlich auf den ersten Blick keinen Vogel.

00:15:59: Das ist das Interessante und das zeigen wir auch in der Ausstellung genau diese Entwicklung, die das Motiv des Vogels bei Brancusi macht.

00:16:07: Also wir fangen an mit einer frühen Version der sogenannten Maestra Die ist von九zehundert elf, wo man die noch so eine gewölbte Brust hat.

00:16:18: Wo man noch den Schnabel erkennt und mit den Jahren wie er es bei allen seinen Motiven gemacht hat.

00:16:26: Er hat ja relativ wenige Motivgruppen an denen er immer wieder teilweise über Jahre oder Jahrzehnte gearbeitet hat.

00:16:32: Und so ist das auch bei der Gruppe der Vögel der Fall.

00:16:35: also sein erster Vogel ... Hat eben noch mehr Anmutung des Vogels und mit den Jahren hat er diese Charakteristiken immer weiter zurückgenommen, bis für ihn das Wesentliche zum Vorschein kam.

00:16:51: Und dieses wesentliche war für ihn nicht die Federn oder haben die Flügel, sondern es war für ihm die Bewegung dieser Aufstieg.

00:17:00: Das sieht man dann vor allen Dingen in der letzten Version aus den neunzelhundertvierzigerjahren, wo man nur noch so eine ... Ja, leicht gebogene Form hat die sich quasi dem Himmel entgegenstreckt.

00:17:13: Also wie so ein Vogel im Aufflug und es ist genau diese Bewegung, die für ihn eben das Wesentliche des Vogels ausmachte und was er dementsprechend dargestellt

00:17:24: hat.".

00:17:25: Sie haben für den fantastischen Katalog, den es zur Ausstellung gibt, die eine oder andere Anekdote noch ausgegraben und eine fand ich ganz besonders nämlich dass er dieses Werk nur vor Gericht an seinem Käufe bringen konnte.

00:17:41: Irgendwie haben es die Vereinigten Staaten nicht reinlassen

00:17:43: wollen.".

00:17:44: Genau, er hat eine Version des Vogels in die USA zu einer Ausstellung bei Edward Steichen einem guten Freund und Galeristen von ihm für eine Ausstellung hingeschickt und die Skulptur wurde im Zoll festgehalten Und sie sollte verzollt werden.

00:18:01: das ist noch das Wichtigste nämlich als Metall- und Haushalts waren.

00:18:07: Man muss dazu wissen, Kunst war frei von Zollgebühren und auf eben Metall- und Haushaltswaren oder Krankenhauswaren.

00:18:16: also es gab eine Kategorie vielen halt Zoll Gebühren an die nicht unerheblich waren Und Brancusi hat das nicht auf sich sitzen lassen sondern hat dann dagegen geklagt.

00:18:28: über zwei Jahre ging dieser Prozess.

00:18:31: Freunde, Förderer von ihm haben zu seinen Gunsten ausgesagt.

00:18:35: Natürlich gab es auch die andere Seite, die das eben nicht als Kunst akzeptiert hat sondern eben als ein Stück Metall.

00:18:42: und dieser ganze Prozess – und das ist das Interessante dabei – ist eben auch in der Tagespresse aufgekommen und wurde eben zu einer grundsätzlichen Diskussions darüber was moderne Kunst eigentlich ist.

00:18:56: also ist abstraktes Skulptur wenn man diesen Vogel eben als abstrakt dann eben auch wahrgenommen hat, ist das überhaupt Kunst oder eben nicht?

00:19:05: Und es ist Kunst.

00:19:07: Bankusi hat den Prozess gewonnen und konnte das Werk als Kunst einführen.

00:19:14: aber das Interessante ist was eben abstrakte Kunst zu diesem Zeitpunkt eben auch noch ausgelöst hat und eben überhaupt eine Diskussion ausgelösst hat ob das überhaupt kunstwürdig ist

00:19:29: Eine Diskussion damals so aktuell wie heute, übrigens auch die Zölle.

00:19:36: Wir kommen jetzt zu einem Kunstwerk und ich finde erstaunlich dass sie das so anders inszeniert haben als die anderen Werke.

00:19:43: es steht in einer relativ dunklen, ich sag mal Kammer aber es ist keine Kammer und es ist ...die Leder!

00:19:54: Genau wir haben in der Ausstellung Ganz bewusst darauf verzichtet an vielen Stellen eben, die Skulpturen besonders zu inszenieren.

00:20:03: Mit Licht mit bestimmten Hintergründen.

00:20:05: Sondern wir haben eine relativ horlinsontale Ausstellungsarchitektur wo man die Werke hoffentlich auch aus den verschiedensten Blickwinkeln zusammen einzeln sehen kann.

00:20:18: Aber und zwar wichtig, an einer Stelle die Skulptur so zu inszenieren wie Brancusi sich das vorgestellt hat.

00:20:26: In anderen Stellen haben wir gedacht Wir können es nicht in der gesamten Ausstellung machen weil wir können nur verlieren.

00:20:31: Wir können das nicht im Sinne von Brancusisso inszenien Wie er sich das vielleicht vorgestellt hatte.

00:20:37: also haben wir gesagt verzichten wir da lieber drauf.

00:20:40: Bei der lede haben wir eben gedacht wir stellen dass an einer stelle eben einmal nach in einem dunklen raum haben Lichteffekte auf die Skulptur gesetzt, die auch in ihrem Sockel einen Motor hat.

00:20:55: Also diese sich eben langsam im Kreis dreht und so dann indem das Licht drauf steht immer andere Reflexe an die Wände nicht nur an die wende bringt sondern eben auch auf der Skulpture selber.

00:21:08: Darf ich kurz Zwischen fragen?

00:21:09: Sie haben sich den Motor ausgedacht und jetzt dreht diese Figur sich auf diesem Motor.

00:21:15: Nein, nein.

00:21:16: Brancusi selbst hat den Motor installiert.

00:21:18: und das ist eben auch das Spannende an den Skulpturen von Brancusy beziehungsweise seiner Art und Weise mit seinen Skulptoren umzugehen, dass er wollte, dass sie sich bewegen, dass die aus unterschiedlichen Richtungen sichtbar sind aber auch durch die Bewegung, dass Licht anders auf den Skrukturen bricht.

00:21:39: Und das wollten wir eben hier im Fall der Leder noch einmal besonders deutlich zu machen.

00:21:45: Das bietet sich in dem Sinne auch an, wenn man an Ovid und den Mythos um Leder und den Schwan sieht wo sich Soys damals in einen Schwan verwandelt also... Prankusi kehrt diesen Mythos um und zeigt im Prinzip die Leder in Verwandlung.

00:22:05: Und diese Verwandlung wird eben durch das Lichtspiel auf der Skulptur

00:22:11: visualisiert.".

00:22:12: Ich kann noch verraten, alles was Sie sagen stimmt weil zum Beweis läuft nämlich neben dieser Kammer ein Film!

00:22:18: Das erstaunt mich, Prankusi hat erstaunlich viele Filme von sich machen lassen.

00:22:24: es gibt unheimlich viele Fotos.

00:22:27: auch War er schon damals ein Meister der Selbstinszenierung oder war für die Journalisten und Journalisten damals so interessant?

00:22:35: Interessant ist, er hat sie nicht machen lassen sondern er hat sich selbst gemacht.

00:22:40: Also sowohl die Filme als auch die Fotografien, die in der Ausstellung sind, sind alle von Brancusi selber gemacht.

00:22:48: Und das ist das Interessante und auch die Modernität, die seine Modernität zeigt.

00:22:53: Weil in den Jahrzehnten hat er angefangen zu fotografieren.

00:22:57: Er ist nur aus dokumentarischen Interessen, weil er eben nicht zufrieden war mit den Fotografien die andere von seinen Werken gemacht hat – also muss das selber machen!

00:23:08: Dann hat er Man Ray kennengelernt, den großen Fotografen der ihm noch so ein paar Tipps und Tricks gezeigt hat und hat eben angefangen, auch seine Fotografien immer mehr zu inszenieren.

00:23:21: Er hat die Lichtreflexe, die ihm wichtig waren, hatte auf Fotografie vereinigt.

00:23:25: Und wie Sie richtig sagen, hat er sich immer wieder in seinem Atelier dargestellt und sich selbst beim Arbeiten gezeigt und auch beim richtig handwerklichen arbeiten.

00:23:36: Also er wollte sich als ein bodenständiger Handwerker zeigen.

00:23:42: Das ist schon ... Selbstmarketing, was er da betrieben hat auf jeden Fall.

00:23:48: Also weil der sich da in einer ganz besonderen Art und Weise dargestellt hat.

00:23:53: Aber nochmal zu den Filmen.

00:23:54: die sind natürlich insofern interessant Da hatte er in den zwanziger Jahren mit angefangen.

00:23:58: Die hatte auch selber gemacht indem er eben auch wie bei diesem Film der Leder diese Bewegung, diese Reflexe nochmal anders als auf den Fotografien in diesen Prozess darstellen konnte.

00:24:13: Was ihm auch wichtig war.

00:24:15: Jetzt sind wir nach unserem kleinen Rundgang wieder bei der Werkstatt oder dem Atelier angekommen und man sieht von außen so einen hölzernen Torbogen, der wirklich stark an seine Heimat Rumänien erinnert.

00:24:31: Wissen Sie, wie bekannt Brancusi in Rumänien ist?

00:24:36: Wie populär er vielleicht auch ist.

00:24:38: Brancusy ist superpopulär in Rumänen.

00:24:41: Er hat dieses Jahr auch seinen hundertfünfzigsten Geburtstag und der wird dort groß gefeiert.

00:24:49: Und eine wichtgesachte in Rumäänien wird der Brancus ausgesprochen.

00:24:55: Wir sprechen Ihnen Brancusi aus, die französisch eingedeutschte Variante auch.

00:25:02: Weil er sich selber nachdem er in Nr.

00:25:05: Neunzehntfünf nach Paris gekommen ist, so genannt hat.

00:25:08: Also er hat sich sofort seine Akzente entledigt, die eben seinem rumänischen Namen angehaftet waren und hat sich von da an selber... Brancusi genannt.

00:25:21: Was aber tatsächlich eine große Diskussion ist, auch unter den Besuchenden der Ausstellung weil natürlich er sowohl für die Rumänen als auch für den Franzosen natürlich auch so was wie ein Nationalkünstler ist.

00:25:35: also er hat im Prinzip so zwei Herzen in seiner Brust und wird eben in beiden Ländern auch entsprechend verehrt und gefeiert.

00:25:45: Das stellt jetzt die Abmoderation vor Größere Herausforderung, was soll ich jetzt sagen?

00:25:51: Brancusi in der neuen Nationalgalerie oder Brancus.

00:25:56: Auf jeden Fall eine fantastische Ausstellung.

00:25:58: die gibt es noch bis zum neunten August.

00:26:00: zwei tausend sechsundzwanzig in Berlin.

00:26:02: Vielen Dank fürs Lauschen!

00:26:04: Bis zum nächsten Mal.

Über diesen Podcast

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