Der Podcast über alte und neue Meisterwerke, Künstlerinnen und Künstler
00:00:04:
00:00:14: Hallo und herzlich willkommen zum Podcast Dreißig Minuten Kunst.
00:00:16: Ich bin Jens Trocher, heute auf Entdeckungsreise!
00:00:20: Eine Erdenkungsreis nach Halle ist immer wieder gut – ich lade Sie ein.
00:00:24: Sie müssen herkommen in eine Ausstellung mit Werken des Künstlers Edmund Kästing.
00:00:30: Wer das ist?
00:00:31: Und warum ich den nicht kenne?
00:00:32: Und warum Sie den auch nicht kennen, das erklärt mir jetzt der Kurator und der Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle, Thomas Bauer Friedrich.
00:00:42: Hallo Herr Bauer-Friedrich!
00:00:44: Gleich die Einstiegsfrage – wer ist Edmund Casting?
00:00:47: Und warum kennt ihn kaum einer?
00:00:50: Ja, Edmond Casting ist einfach wie es aus Werner-Ninzenhundert zweiundzigmal so schön beschrieb Der bekannteste Unbekannte.
00:00:57: Er ist ein faszinierender Künstler der Moderne im zwanzigsten Jahrhundert, also nicht nur der sogenannten klassischen Moderne sondern sein ganzes Leben lang quasi der Moderner anverhaftet war experimentierend unterwegs und dass man ihn heute nicht kennt.
00:01:13: Wenn ich es mal ganz schnell runterbrechen oder zusammenfassen sollte dann sind es zwei Aspekte.
00:01:18: das eine ist er hat von seinen frühen Anfängen so um neunzehn, in den frünen Zehnerjahren bis zu seinem Todesjahr, neunzentsebzig nicht einen Stil entwickelt, den er dann durchgezogen hat.
00:01:29: Sondern er hat man kann fast sagen alle fünf Jahre, alle zehn Jahre wieder einen weiteren Schritt nach vorn gemacht und wie er im Museen oder auch die Kunsthistorik oder wir Menschen machen es uns ja gerne leicht um Dinge zu verorten einordnen zu können das heißt der Schubladendenken.
00:01:43: Das heißt Kesting gehört in so viele Schubladen.
00:01:45: dass ist dann am Ende nicht so richtig.
00:01:47: gelangen ihnen eine vermeintlich reinzupacken Das ist das ein und das andere ist dann eher ein tragisches Argument, weil er eben im Osten Deutschlands zwei Diktaturen mit erleben musste.
00:01:58: Also zum einen den Nationalsozialismus und dann ab neunvierzig die DDR.
00:02:02: Und er hat mit seinem Werk was er geschaffen hat nie dem entsprochen was beide Kulturideologien haben wollten so dass er quasi kaum die Möglichkeit hatte öffentlich auszustellen wahrgenommen zu werden Kunsthistorische Forschungsarbeiten zu bekommen.
00:02:17: Deswegen ist ja, muss ich sagen, immer so deutlich ab dreiunddreißig eigentlich nur noch bedingt bis gar nicht wahrgenommen
00:02:23: worden.".
00:02:23: Das ändert sich hoffentlich jetzt und zwar mit der Ausstellung mit dem wunderschönen Titel Edmund Kessling-Avantgardist.
00:02:31: Sie haben die Ausstellung bei Paul Kaiser kuratiert und für unseren kleinen Rundgang Gucken wir nicht in die Schubladen, sondern sie haben gesagt, na Mensch hat doch ein paar Stationen.
00:02:43: Sind da glaube ich ganz spannend.
00:02:45: und das erste Bild über das wir sprechen wollen ist schon so ein Bild.
00:02:49: es heißt der Dawnengekrönte isst von nineteen hundert fünf zehn Und es ist für mich ein wahnsinnig tolles Bild ein sehr modernes bild.
00:03:00: man sieht einen schmerzensmann.
00:03:03: Also der Donnengekrönte ist quasi der leidende Christus, der Gekreuzigter.
00:03:07: Das Bild des Neunzehntfünfzehn entstanden.
00:03:09: Typisch für Casting ist das er bestimmte Motive mehrfach auch in verschiedenen Techniken und mitunter auch zu verschiedenen Zeiten in seinem Leben behandelt hat.
00:03:17: Und wir haben in der Ausstellung sogar zwei Motive vom Donnengekrönten von neunzehnzehnten.
00:03:21: Das ist ein Aquarell.
00:03:22: und dann haben wir noch vor neunzelneinzehn einen Öl gemilder also klassisch auf Leinwand gemalt.
00:03:27: Und Kesting kommt aus dem Ersten Weltkrieg zurück.
00:03:31: Er war wirklich von den letzten fünfzehn bis achtzehnt als Soldat im Kriegsgeschehen, war an der Front und wie das typisch war für die Expressionisten.
00:03:39: Wenn sie dann in den letzten sechszehn wieder heimkehrten und künstlerisch wieder aktiv wurden ... Die Brückekünstler zum Beispiel haben sich religiöser Motive bedient um ihre Erfahrungen dieses Leid, dieses Elend, dieses Sterben im Krieg zu verarbeiten.
00:03:53: Und genauso tut es eben auch Casting.
00:03:55: und wir haben den Donn gegründen mit einer großen Ölmalerei, die Auferstehung zum Beispiel in einer Wand vereint.
00:04:03: Das ist ganz typischer Expressionismus wie wir ihn von den Brückekünstlern vom Blauen Reiter kennen.
00:04:09: Da ist er ganze Zeit kündet sich unterwegs.
00:04:11: Wie hast du da hingekommen?
00:04:12: Er ist ein Dresden geboren hat dann eine Kunstakademie besucht.
00:04:18: Es gibt einen ganz berühmten Zeitgenossen von Edmund Casting in Dresden, den sicherlich alle oder viele kennen, nämlich Otto Dix.
00:04:24: Beide haben zusammen vor dem Ersten Weltkrieg an der Kunstgewerbeschule in Dressen zu studieren begonnen und wechselten dann noch vor dem ersten Weltkrig an die Akademie.
00:04:31: Dann kommt der Krieg das Studium wird unterbrochen und beide kehren nach Dresen und setzen ihr Studium fort.
00:04:38: Dresden war damals so am Übergang vom späten Impressionismus zum Expressionismus.
00:04:44: Die Brücke gründete sich in den letzten fünf Jahren, das heißt dieses expressionistische Pathos und die ganze Bildkunst, die Literatur des Kinos
00:04:52: usw.,
00:04:53: da hat Casting zeitglänzisch wahrgenommen und er macht dies.
00:04:57: Das finde ich immer sehr schön wenn ich Führung durch die Ausstellung mache weil sich das Publikum immer darauf hin.
00:05:01: Wir haben eine Zeichnung dort hängen, die ist Ella bezeichnet von nineteen zehn.
00:05:05: Also als er sein Studium wieder fortsetzt das ist ne ganz klassische traditionelle akademische Aktmalerei also ein Aktmodell namens Ella wahrscheinlich dass er abzeichnet und alles andere was in diesem Raum hängt es Expressionismus also eigentlich schon viel weiter.
00:05:19: d.h.
00:05:20: ihr muss an der Akademie ich sage mal sich hart per Brot oder so quasi das zeichnen und das ganze Studium herarbeiten.
00:05:26: Eigentlich ist auch künstlerisch schon viel Weiter ist ja auch da schon modern unter Vanguard.
00:05:31: Sie haben es gerade, glaube ich auch schon erwähnt.
00:05:33: Was mir auffällt in der Ausstellung bevor wir gleich weitergehen?
00:05:36: Er hat so unheimlich abwechslungsreiche Techniken, er hat abweichslungsreich gearbeitet und im Vergleich zum Dornenmann ist das nächste Bild einfach beschrieben Bild mit rotem Zickzack.
00:05:53: Dazu muss man sagen, dieses Bild ist ja von neunzehntzwanzig.
00:05:55: Der Donnengegründe das Aquarell war von neunsundfünfzehn die Ölmalerei von Neunzehnzehn.
00:06:00: Das heißt hier ist nur ein Jahr Zeit Unterschied und dass es eben auch wieder typisch für Casting.
00:06:05: das letzte expressionistische Werk was wir in der Ausstellung haben stammt von neunterneinzehnteinundzwanziger und er fängt aber schon neunter zwanzig an mit ganz abstrakten Arbeiten.
00:06:13: Und dieses Bild mit roten Zickzack das ist sogar ein Original Titel von Casting.
00:06:17: Das war auch eine kleine Herausforderung bei der Erarbeitung der Ausstellung und vor allem des Katalogs.
00:06:23: Weil wir bei bestimmten Werken originale Titel nachweislich das Künstler haben, weil er sie zum Beispiel auf dem Objekt selbst vermerkt hat.
00:06:31: Und bei anderen Werken – ich sage mal, das sind ganz profane beschreibende Titeln – merkt man sehr schnell, hat die Nachwelt halt etwas beschrieben, weil kein Titel da war.
00:06:40: Da wo wir Originaltitel von Castinger haben, sind das in der Regel sehr poetische lyrische Titel teilweise.
00:06:47: Dieses Bild mit roten Sickzack ist zwar auch beschreibend, aber ist eben ein Original-Titel von Casting.
00:06:52: Ich glaube, kein Kunsthistoriker würde sagen einen roter Zickzack.
00:06:55: Also in dieser ganz abstrakten Komposition ist halt im Zentrum eine rote Form, eine rotte Linie die wie ein Zickzzack aussieht und das Werk gehört in der Gruppe seiner sogenannten Schnittcollagen.
00:07:09: Typisch bei Casting ist nämlich dass er im Jahr neun zu zwanzig also wo ja quasi den Expressionismus gerade so auslaufen lässt Da bricht es, so formuliere ich's immer wirklich aus ihm heraus und all diese neuen Techniken entstehen.
00:07:22: Diese Schnitt-Collagen die normalen Klebe Collagen, die sogenannten verschränkten Leinwände Und es ist plötzlich über Nacht ein ganz avantgardistisches abstraktes Werk was entsteht.
00:07:35: Bei diesen Schnittcollagen ist es so dass also auch in Titel von Casting selber also diese Werkgruppe der Schnitt collagen man ahnt ja schon worum es geht.
00:07:42: aber wenn man vor den Werken steht glaube ich dann steht man hoffentlich staunend davor, weil er hat quasi mit dem Papier alles gemacht was man sich nur irgendwie vorstellen kann.
00:07:52: Also erst mal verwendet ja ganz viele verschiedene Papiere verschiedenfarbige verschiedenen strukturierte.
00:07:58: dann schneidet er sie dann faltet er sie rollt sie klebt sie übereinander schichtet sie dadurch auch in den Raum reingehend.
00:08:05: manche papiere legt er übereinander und untereinander also durch steckt sie quasi Und dann geht es noch weiter.
00:08:12: Dann kommen mitunter auch metallische Gegenstände, Metallschnüre oder irgendwelche Ösen dazu.
00:08:18: Es gibt eine Arbeiter als eine kleine keramische Elemente mit drin.
00:08:22: Also er experimentiert mit allem und verlässt auf die Art und Weise das zweidimensionale flache Bild und fängt an in den Raum zu schichten.
00:08:31: Das Verrückte ist wenn man da vorsteht... Man sieht es nicht erst auf dem zweiten Blick!
00:08:36: Man geht ein bisschen näher ran, man guckt von der Seite Und hat dann diese Collagen... Er war da ja mit einer der ersten oder einer, die das populär gemacht haben.
00:08:50: Also gerade beim Thema Collage gibt es auch wieder eine sehr schöne Geschichte.
00:08:54: Raul Hausmann hat immer sehr gerne bis an sein Lebensende korporiert.
00:08:58: Er sei derjenige gewesen, der die Collage erfunden hatte und zwar so um Ninzehundneinzehn.
00:09:03: Das stimmt sowieso nicht, weil zum Beispiel von Kurt Schwitters wissen wir das eher schon vor den neunzehnten Collagen gemacht hat.
00:09:08: Wir haben von Edmund Casting in unserer Ausstellung die früheste ausgestellte Collage vom Neunzeltsechzehn.
00:09:14: In einer der Privatsammlungen, die wir recherchiert haben gibt es sogar einen nachweislich neunzentvierzehntartierte Collage.
00:09:20: Also Casting hat wirklich zu einem sehr frühen Zeitpunkt solche modernen neuen technischen Lösungen gefunden und er geht eben genau in dieser Zeit, in den ersten Jahren des der zwanziger Jahre in ganz vielen Bereichen weiter und öffnet eben dann auch die Malerei, wenn man so will, in Richtung Collage.
00:09:38: Und das ist wirklich eine Technik, die er selber erfunden hat und zwar sind das die sogenannten verschränkten Leinwände.
00:09:44: Das heißt, man muss sich vorstellen normalerweise ist ja eine Leinwand immer über den Keilrahmen an allen vier Seiten gezogen und Casting schneidet an verschiedenen Stellen die Leinband ein und zieht sie hinter dem Keilraum deswegen quasi die Verschränkung Und er hat das auch, unsere Restauratoren haben wir das beim Einrichten der Ausstellung bestätigt sehr technisch gelungen gelöst.
00:10:05: Also es sind relativ stabile Werke auch noch hundert Jahre später weil ja an den Übergängen wo die Leinwand eingeschnitten ist besteht ja theoretisch die Gefahr dass die Leynwand immer weiter reißt.
00:10:14: Er hat das mit einer gipsartigen Kit-Lösung sehr gut die Übergänge bearbeitet Und da wo die Leinwand quasi hinter den Krellrahmen gezogen ist, ist ja dann das Holz des Krellrahms normalerweise sichtbar.
00:10:26: Das bemalt er dann und Dann haben wir eine fantastische Arbeit dieser Gruppe in der Ausstellung.
00:10:32: Das ist die sogenannte sieben.
00:10:35: Ist das Thema Zeit Uhrzeit das Thema also eine Sieben.
00:10:38: Die Stunde sieben ist auch dargestellt und in diese verschränkte Leinwand hat er dann noch metallische Gegenstände integriert einmal einen Ort Zeiger für die Uhr Und ein Pendel, also einen Metallstab, wo dann eine rote kreisrunde Scheibe aufgebracht ist.
00:10:55: Dann gibt es sogar noch ne Partie in der Malfläche, wo ja in das malen Mittel noch Sand eingefügt hat oder dass auch noch ne Struktur entsteht.
00:11:03: und das zeigt glaube ich am radikalsten wie's ihm wichtig war und wie es ihm gelungen ist die Malerei in einer Dritte wirklich tatsächlich physischeräumliche Dimension zu überführen.
00:11:13: Wie immer wenn man auf Entdeckungsreise geht... Macht das Spaß?
00:11:16: Aber hier macht es so Spaß, weil diese verschränkten Leinwände sind auch... Die haben einen unglaublichen Effekt und man steht davor und denkt ach nee.
00:11:24: Das hat er jetzt wirklich so gemacht!
00:11:26: Das finde ich ganz fantastisch und es geht dann fast schon konstruktivistisch weiter wenn ich sage die verschränkte LeinWende sind ja schon mal eine Konstruktion und er hat dann ein Bild-Bauwerk angefertigt Und zwar, und auch fast hundert Jahre alt.
00:11:47: Auch Bildbauwerk ist ein Titel oder eine Wortschöpfung von Edmund Casting genauso wie er sich als Fotograf nicht Fotograf genannt hat sondern Lichtbildgestalter.
00:11:56: ganz typisch für Casting ist dieses Thema gestalten also entweder einen Raum gestalten oder ein Objekt ins räumliche Gestaltung zu überführen.
00:12:04: und insofern sind die Bildbauwerke ja man kann schon sagen bildliche Konstruktionen kleine Architekturen.
00:12:12: Und eigentlich ist das, wenn man so will der Kulminationspunkt von all dem was davor gelaufen ist.
00:12:16: Die verschränkten Leinwände die normalen Klebekollagen und Schnittkollagen.
00:12:20: Das ganze kulminiert dann quasi in diesen sogenannten Bildbauwerken, die so Mitte der zwanziger Jahre beginnen bis maximal achtundzwanzig gehen.
00:12:31: Wir haben zwei Arbeiten in der Ausstellung wo ich mal sage, die stehen so exemplarisch wie weit er dann geht in dieser Technik.
00:12:39: Das eine ist eine Arbeit, die nennt sich Verschränkungen.
00:12:42: Die kommt aus der Sammlung von Nell Walden also der Frau von Herbert Walden und von den berühmten Galeristen vom Sturm in Berlin Und da hat er wirklich so ne ca.
00:12:50: fünf Zentimeter tiefe Räumlichkeit aufgebaut mit Metallholz Kunststoff.
00:12:58: Mir fällt immer kein anderes Beispiel einer, wo ich muss es dann jetzt doch noch mal machen.
00:13:01: Also quasi man muss sich vorstellen wer's jetzt noch nicht gesehen hat.
00:13:04: Es ist ein Piet-Mon-Réan ins räumliche überführt ins objekthafte Assamblaschafter.
00:13:09: Wobei es hat nichts mit Piet Mon Réan zu tun.
00:13:11: aber ich glaube jetzt hat jeder vielleicht einen Bild vor Augen und dieses sogenannte Bildbauwerk mit Kreuzform von Besonders radikales Werk war ja da das Bild geführt verlässt.
00:13:24: Alle anderen Bildbauwerke sind wirklich in der Regel quadratisch oder rechteckige arbeiten und hier haben wir quasi ähnlich wie so ein griechisches Kreuz, es gibt eine vertikale schmale hochrechtecke geformen und da hat er mit einem Dreieck so eine diagonale Form eingefügt und da baut sich auch alles wieder mit Pappen, mit Holz übereinander kollagiert auf.
00:13:43: Wir haben ähnliches Werk dokumentarisch überliefert.
00:13:46: wurde dann auch noch eine Glaskugel mit integriert wurde.
00:13:49: Also da ist Casting für die zwanziger Jahre wirklich in Höchstform.
00:13:54: Sie haben gerade einen der berühmtesten Galeristen seiner Zeit erwähnt, Herbert Walden in Berlin.
00:13:59: Er hat die großen Namen ausgestellt und auch unseren Casting.
00:14:04: Warum ist Castings nicht berühmt geworden?
00:14:07: Aber die anderen sind Sturmkünstlerinnen und Künstler.
00:14:11: Gute Frage, also zum einen hat Casting es nicht geschafft so richtig von Baldensknaden zu sein um's mal ein bisschen salopp zu formulieren.
00:14:19: Also man muss sagen die beiden lernen sich so in der Jahr neunzehnundzwanzig, also relativ früh und bald nach dem Ersten Weltkrieg kennen.
00:14:26: und Castings stellt das erste Mal bei Walden in Berlin neunzwarzeinzwanzige aus.
00:14:30: allerdings war es keine Einzelausstellung sondern mit drei weiteren Künstlern zusammen eine kleine Gruppenausstellung.
00:14:35: Er hatte auch nie eine Einzelausstellung bei Walden in Berlin bekommen, sondern er war dann ab XXIII immer bei den sogenannten Gesamtschauenden.
00:14:42: Also wenn man so will Künstler der Galerie überplexartig immer mit dabei.
00:14:46: Ich hatte mir auch mal die Publikation von Walden angeschaut, die er selber herausgegeben hat über die Moderne.
00:14:51: da kommt Casting nicht vor.
00:14:53: Es ist ein sehr eigenartiges Verhältnis.
00:14:55: auf der einen Seite waren sie solange Walden In Deutschland war eng in Kontakt.
00:14:59: Kesting stellt, wie gesagt, ab die Jahre XXIII regelmäßig bei ihm in Berlin aus.
00:15:03: Er gründet seine Wegschule in Dresden im Umfeld der Sturmgalerie von Walden einen Ableger und eine Dependance in Berlin.
00:15:12: Es gibt einen ganz engen Kontakt aber ich muss es jetzt so aus der Forschungslage quasi rekonstruieren.
00:15:18: Walden selber oder andersom Kesting gehörte nicht zu den Künstlern, die von Walde besonders kanonisiert wurden.
00:15:26: Das ist das eine.
00:15:27: Und auf der anderen Seite muss aber der Kontakt so eng gewesen sein, dass zum Beispiel als Walden dann zu Zweiunddreißig Deutschland verlässt und nach Russland übersiedelt er noch einen Abschiedsbesuch in Dresden bei Casting macht.
00:15:38: Es entsteht wenn man so will das legendäre Porträt von Walden von der Hand von Edmund Casting.
00:15:43: Also es ist ein ambivalentes Verhältnis.
00:15:45: Aber letztendlich war natürlich Walden für Castings in zweifacher Hinsicht so ein Türöffner.
00:15:50: Casting selber hat dadurch viel im Original in Berlin auch sehen können Künstlern, die wir alle heutzutage kennen.
00:15:57: Und auf der anderen Seite war es dann für Verkasting auch die Möglichkeit in Berlin ein wenig in die Netzwerke reinzukommen, Fuß zu fassen bis dahin dass er halt seine Schule dort auch etabliert
00:16:07: hat.".
00:16:08: Das berühmte Bild von Walden hängt natürlich auch an der Ausstellung und Sie haben gerade noch erwähnt, er hat eine Kunstschule gegründet.
00:16:15: was war das für eine Schule?
00:16:16: Das ist auch wieder sowas.
00:16:17: also mein Kollege und Mitkurator Paul Kaiser sagt immer so schön welch Größen waren der da Kesting quasi kennzeichnet.
00:16:25: Ich hatte ja vorhin gesagt, er kommt aus dem Krieg zurück und setzt seinem Studium an der Akademie in Dresdenfurt bis neun zu zweieinzwanzig noch.
00:16:33: Da war er zur letzten Meisterschüler, dann bennet er sein Studium.
00:16:36: Und schon im Jahr, wo er seinen Studium wieder aufnimmt, gründet er selber gleich eine Schule.
00:16:41: Also parallel zum Studentendasein ist gleichzeitig auch Lehrer und Dozent.
00:16:46: Ich würde mal sagen, auch wieder zwei geteilt.
00:16:49: Zum einen eine wirtschaftliche Notwendigkeit oder Zwangslage einfach Geld zu verdienen und zum anderen auch aus einer Unzufriedenheit heraus was den akademischen Lehrbetrieb angeht denn er hat ganz moderne Lehrgrundsätze gehabt.
00:17:03: Er gründet diese Schule im Dezember, also gerade ein halbes Jahr nachdem wenn Weimar das Bau ist gegründet war und beide sind eigentlich relativ ähnlich.
00:17:10: da geht es auch um das Zusammenführen von Angewandtoren bildender Kunst um Handwerk und Kunst.
00:17:15: Es geht um die klassischen Ausbildungsformen, also Aktstudium zeichnen nach der Natur.
00:17:20: Es geht aber auch um Architektur und Raumgestaltung es geht um Werbung.
00:17:26: Diese Schule war aber auch in Dresden ein Ort wo Vorträge stattfanden, wo Feste gefeiert wurden.
00:17:31: Also ähnlich wie im Bauhaus gab's auch einen Fest, wo Schüler von Kesting im Metallkostüm tanzen.
00:17:38: Und Coach Witters zum Beispiel, haben wir über eine Einladung auch wirklich nachweisbar als Dokument kommt.
00:17:44: Nach Dresden zur Casting und recitiert dort seine berühmte Anna Blume.
00:17:48: also die Schule, die gleichzeitig auch in der Wohnung von Castings war ist quasi ein Kulminationspunkt oder einen Hotspot modern gesprochen für die Avantgarde in Dresde.
00:18:00: Aber gradistisch geht es auch weiter bei Casting und zwar wieder in einer ganz anderen Richtung, nämlich mit Fotografie.
00:18:08: Mir fällt ehrlich gesagt keine andere Künstlerin, Künstler ein wo das Werk so vielschichtig ist ihn?
00:18:15: Nee jetzt ist schwierig weil er eben nicht nur Vieles ausprobiert hat sondern auch in vielen Techniken oder Ausdrucksformen wirklich gut geworden ist.
00:18:23: Und hier ist es so bei der Fotografi.
00:18:24: also die hatte ja auch schon vorher seit den späten Zehnern, frühen Zwanzigerjahren immer mal wieder ausprobiert.
00:18:31: Aber so richtig konzeptionell oder bewusst eingesetzt geht das in dem Jahr und wir haben Werke gleich aus diesem ersten Jahr, wo man sich fragt wie kann jemand gleich mit dem ersten Aufschlag so erfolgreich sein?
00:18:46: Weil das was ihnen zunächst kennzeichnete waren die sogenannten Mehrfachbelichtung.
00:18:51: Und das sind nicht einfach nur Doppel- oder Dreifachbelichtungen sondern teilweise Fünffach-, Sechsfachbelrichtungen.
00:18:56: Kesting hat, quasi so eine Art Brevier seines Selbstverständnisses als Künstler veröffentlicht und da auch alle seine Techniken die fotografischen Techniken beschrieben.
00:19:08: Es ist höchst kompliziert.
00:19:09: also man muss sich hervorstellen.
00:19:10: um wirklich in der Kamera fünf Motive übereinander auf den selben Abschnitt des nicht empfindlichen Papiers zu bringen muss ich mir ja vorher am Kopf genau überlegt haben A, was will ich von Bild erzeugen?
00:19:25: und B in welcher Reihenfolge muss ich die Aufnahmen machen?
00:19:28: Weil einmal belichtet kann ich nichts weiteres draufbelichten.
00:19:32: Das heißt der hat immer mit verschiedenen weißen und schwarzen Hintergründen gearbeitet und darüber Partien abgedeckt ihr dann bei der nächsten Aufnahme noch belichten konnte.
00:19:44: Und auf die Art und Weise entstehen diese ganz fantastischen Mehrfach-Belichtung dir fast vorzugsweise im Bereich des Tanzes eingesetzt hat.
00:19:51: Dresden war ja damals gerade im Bereich des modernen Ausdrucks-Tanzes ein Zentrum gewesen.
00:19:57: Gret Paloka, Mary Wigman, die Tänzerin hat er alle auch porträtiert oder fotografiert in seiner Technik und unter anderem immer auch Dean Goodell einen amerikanischen Tänze der in den zwanziger Jahren in Dresde Auftrag tätig war.
00:20:11: und seine Spuren verlieren sich dann Anfang der dreißiger Jahre wieder an seiner Heimat in den USA.
00:20:16: Und da hat wie gesagt im Bereich der Fotografiekesting Ende der zwanzigere neues Feld für sich entdeckt und das aber auch gleich wieder zur Perfektion entwickelt.
00:20:26: Und dieses Feld der Fotografie hat ihm auch das Leben gesichert in der Zeit des Nationalsozialismus, weil ausstellen durfte er seine Bilder oder seine Collagen nicht.
00:20:40: Das ist auch etwas, womit wir ein wenig aufräumen.
00:20:42: In der Pseerigen Literatur wurde immer wieder gesagt, dass er quasi nach neun zu dreinendreißig Arbeitsverbot Malverbot hatte als Entartete formiert war und nicht mehr ausstellen durfte.
00:20:51: Davon stimmt in Anführungszeichen eigentlich nur das ja als entartete Formiert wurde die wenigen Arbeiten, die es in öffentlichen Sammlungen gab.
00:20:58: Das waren zwölf Stück, zwölfe grafische Arbeiten Die sind beschlagnahmt und leider zerstört wurden.
00:21:04: Und wir können aber nachweisen einfach über Rezensionen, über Ausstellungsankündigungen und über Plakate.
00:21:09: Dass er ab dreiunddreißig bis dreinvierzig nahezu jährlich ausgestellt hat in Dresden nicht nur in Dressen, aber vorzugsweise in Dremsen.
00:21:17: Aber eben nur noch mit seiner Fotografie ausstellbar war.
00:21:20: Und selbst da muss man sagen zwar auch mit Mehrfachbelichtung, aber das sind nicht mehr so die radikalen avantgardistischen.
00:21:27: In allererster Linie waren es seine nächtlichen Aufnahmen von der historischen Altstadt von Dresde Und vor allen Dingen hat er dann den Großauftrag bekommen, quasi den gesamten Sammlungsbestand des grünen Gewölbes.
00:21:40: Also die Schatz- und Wunderkammer der tristner oder sechstrischen Herzöge und Fürsten zu dokumentieren.
00:21:47: Er dokumentiert die logischerweise nicht einfach.
00:21:48: nur es ist nicht einfach eine Reprofotografie sondern er macht da schon ne sehr moderne Reprophotografi.
00:21:54: Auf die Art und Weise war's ihm möglich zum einen erst mal überhaupt weiter Geld zu verdienen wenigstens ansatzweise noch wahrnehmbar zu sein, aber mit allem was ja im Bereich der Malerei und der Grafik zeitgenössisch tut ist er öffentlich nicht wahrnehmbar gewesen.
00:22:07: Und auch mit der Fotografie finde ich es als avantgardis zurecht bezeichnet weil viel später wir springen mal ein bisschen in der Zeit gibt's noch einen Bild in der Ausstellung von nineteen hundert fünfzig und sie haben mir erklärt das ist fotografische Malerei wenn ich mich richtig entsinne
00:22:28: Was auch typisch ist für Casting, es gibt immer mal so Abschnitte in seinem Werk.
00:22:32: Wenn er eine Technik für sich quasi ausgereizt hat oder wenn er einen Motivkreis für sich ausgereizt hat dann gibts in der Regel immer ein Werk was ja teilweise selber auch als Synthese bezeichnet.
00:22:43: zum Beispiel gibt's am Ende der Inflationszeit wenn die Briefmarken und Geldcollagen aufhören eine Synthesie der In Flation.
00:22:49: Oder das Porträt von Herbert Walden heißt Komposition Malerische Synthesi Herbert Walde nicht einfach nur Porträh Herbert Waldo.
00:22:56: Und dieses Gemälde von Walden, von Zweiunddreißig ist eben schon eine erste Zusammenführung quasi von seinen Erkenntnissen die er mit der Mehrfachbelichtung in der Fotografie gefunden hat.
00:23:05: Überführt er in die Malerei also das Motiv wirkt so ein bisschen als wäre da quasi auch fotografisch eine Grundlage gewesen.
00:23:12: und mit diesem Werk von neunzehntfünfzig reden über eine sogenannte chemische Malerei wieder eine Technik die er selber entwickelt hat.
00:23:21: und da malt er in der Photographie Und zwar muss man sich das vorstellen, ich hoffe es ist auch abstrakt nachvollziehbar eigentlich relativ simpel.
00:23:29: Er steht in der Dunkelkammer bei Rotlicht, malt quasi blind auf lichtempfindlichen Papier mit den ganzen Chemikalien die man so zum Fotografieren oder zum entwickeln braucht also den Entwicklerlösungen.
00:23:40: Das heißt er malt mit klaren Flüssigkeiten im Dunkeln einen Motiv wo er noch nicht so richtig weiß wie sich das entwickelt.
00:23:47: und dann geht er aus der Dunkeltkammer raus.
00:23:50: Und bei Tageslicht, indem er den Prozess der Berichtung steuert entstehen durch Reaktionsprozesse der Chemikalien dann die eigentlichen Farben und damit auch das Motiv.
00:24:00: Also die Malerei auf diesem nicht empfindlichen Papier und dabei entstehen teilweise ganz grelle kräftige grün-blaue Gelbtöne.
00:24:10: und was Casting da malt ist aber reinste abstrakte gegenstandslose Malerei war es natürlich in der jungen DDR, alles andere als das war was man öffentlich haben wollte oder offiziell sehen wollte.
00:24:23: Das heißt er konnte dann auch nicht ausstellen?
00:24:26: Oder ist wurde nicht ausgestellt?
00:24:27: Genau also so wie es im Prinzip von dreiunddreißig bis fünfundvierzig war, konnte er auch nach viertzig zumindestens ab neun und vierzig ab der Staatsgründung und dann diese ganze Formalismus Diskussion konnte er sein zeitgenössisches künstlerisches bildkünstlerischen Werk nicht mehr ausstellen.
00:24:43: Er hatte überhaupt erst die erste Einzelausstellung zunächst in Dresden, in der privaten Galerie Kühl und die erste Museumsaustellung in Karl-Marxstadt in dem heutigen Chemnitz.
00:24:55: Er ist neunzigzehntig gestorben.
00:24:57: also acht Jahre vor seinem Tod hat er seine erste museale Präsentation bekommen und auch da es wieder vorgänglich Fotografie ein bisschen grafischer arbeiten und einige wenige Malereien zu sehen gewesen.
00:25:08: aber den ganzen Casting hat man damals nicht ausgestellt.
00:25:12: Umso schöner ist es, dass der ganzen Casting jetzt hier in Halle zu sehen gibt.
00:25:17: Sie werden mich berichtigen?
00:25:18: Ist das die erste Ausstellung in dem Format, in der Größe also das heißt mit der Menge der Bilder?
00:25:24: Das auf jeden Fall!
00:25:25: Also es gab einmal eine Ausstellung, die man bislang mal so als Retrospektive bezeichnet hat, nämlich in den jahrelsen Interessen, also in seiner alten Heimatstadt.
00:25:34: Das war aber nicht wirklich ne Retrospective weil man sich oder andersrum gesprochen... Man konnte damals Das Werk der Zwanzigerjahre so gut wie nicht sehen.
00:25:42: Es waren einige wenige Arbeiten, die dort ausgestellt wurden.
00:25:45: D.h.,
00:25:46: ein Gefühl oder eine Wahrnehmung für den ganzen Casting, was ihn komplett ausmacht hat man damals nicht bekommen.
00:25:52: Deswegen ist es jetzt wirklich das erste Mal ... Das muss man so hart sagen überhaupt, dass man den ganzen Casting sieht und das Erste mal eigentlich seit XXIII, dass mein überhaupt wieder so viele Werke aus den zwanzig Jahren zu sehen bekommt.
00:26:04: Und XXIII ist eben das Jahr wo für ihn dann wirklich die moderne zwangsweise, wenn man so will beendet ist.
00:26:11: Aus dem Jahr neunzehntreisig ist ein Bild und ich finde es wahnsinnig modern aber ich weiß gar nicht ob das Ende jetzt der moderne ist was sie gerade erwähnt haben.
00:26:19: aber es ist ja eine Rommelplatzsituation mit einem Kettenkarussell glaube ich mit einer Schießbude und vielen vielen Figuren.
00:26:31: Und eigentlich ist da nur eine Figur die hervorsticht hat nämlich ein rotes knallrotes Oberteil an, die im Karussell fährt und alle anderen Figuren auf diesem Bild sind eigentlich nur weiße Schatten.
00:26:44: Also ich beschreibe es immer so wie wenn man oder was man manchmal auch in Filmen sieht.
00:26:49: nach Jahrzehnten werden die Bilder von den Wänden genommen und zurückbleiben die Rahmen wo die Bilder mal hingen auf der Tapete also der Schatten vom Dreck usw.
00:26:57: Und ein bisschen muss man sich das vorstellen als hätte man computermäßig, photoshopmäßig die Figuren rausgenommen aus dem Motiv und zurück bleiben leerstellen.
00:27:06: Und das ist eine Beobachtung, die man bei Casting machen kann wirklich nur in dieser Zeit um dreiunddreißig.
00:27:11: Also zweiunddreißig, dreindreißige, vierunddreyzig dann hört es auch wieder auf und ich habe lange überlegt ob das jetzt eine überzogene Interpretation ist.
00:27:18: aber Ich bin ja Meinung dass kann kein Zufall sein das genau in dieser zeit wo er tatsächlich Menschen plötzlich begannen zu verschwinden und über Nacht nicht mehr da zu sein Dass es vielleicht etwas damit zu tun hat.
00:27:32: selten bis gar nicht über sein Werk schon gar nicht inhaltlich besprochen, wenn dann eher technisch.
00:27:36: Das heißt wir wissen auch nicht aus einem eigenen Munde was es damit auf sich hat.
00:27:40: aber dadurch das ist eben in dieser Zeit des Wechsels dieses Systemwechsel von der Demokratie zur Diktatur stattfand glaube ich ist es vielleicht nicht zu weit hergeholt diese sogenannten Lichtfiguren wie ich sie bezeichnet habe so zu interpretieren.
00:27:54: So hab' ich das noch gar nicht gesehen.
00:27:56: Aber jetzt muss ich das sagen gesichtslose, ich will nicht sagen seelose Figuren aber gesichtslos.
00:28:05: Und das ist eben das Faszinierende am Werk von Kessing, dass es so unheimlich vielschichtig und abwechslungsreich ist
00:28:12: wie auch
00:28:13: die fast schon letzte Station bei unserem kurzen kleinen Rundgang.
00:28:18: da sind wir am Wasser und zwar an einem verlassenen Strand.
00:28:24: Ja letztendlich was beide Werke miteinander verbindet ist, dass wir hier wieder eine weiße Figur haben Diesmal halt am Strand und nicht auf dem Rummelplatz.
00:28:33: Man kann sich das ein bisschen vorstellen, was vielleicht alle, wenn ich es jetzt gleich sage vor Augen haben ist das Gemälde der Mönch am Meer von Gaspedal.
00:28:39: Friedrich, der auch am Strand steht raus schaut auf das Meer, auf den Horizont.
00:28:44: Und so ein bisschen ähnlich ist diese Komposition von Casting auch.
00:28:47: also im vorderen Bildrand steht eine weiße Figur die man irgendwie so automatisch als ein Rückenfigur interpretiert.
00:28:56: Es gibt eine zweite blaue Figur, die steht ein bisschen entfernt direkt am Wasser und nur angeschnitten ist dann die Wasservläche an der oberen Bildkante.
00:29:04: Und das Bild ist eben in den Neunvierzig entstanden.
00:29:07: Zum einen finde ich es ist so ein Rückgriff auf diese Lichtfiguren von neunzu dreien Dreißig.
00:29:11: wir sind wieder im Jahr eines Systemwechsels von Nationalsozialismus hin zur sich gerade neu gegründeten DDR.
00:29:18: Das heißt also, für Kesting stand im Jahr nineteen vierzig weil er ja in Dresden weiter lebt beziehungsweise dann schon in Berlin fest dass er quasi in einem geteilten Deutschland leben wird und ihm war zu diesem Zeitpunkt auch bereits klar was das für ihn bedeutet denn er war neunzeit achtundvierzig also im jahr davor von seiner damaligen Anstellung in Dresten an der Werkkunstschule mehr oder weniger entlassen wurde.
00:29:42: Man hat quasi eine institutionelle Umstrukturierung gemacht und bei der Gelegenheit Casting einfach nicht mehr weiter beschäftigt, das heißt es zeichnete sich für ihn spürbar ab dass er ein weiteres Mal etwas erfährt ähnlich wie die zwölf Jahre Nationalsozialismus.
00:29:56: Und es gibt genau in dieser Zeit wieder ein ähnliches symbolisches Motiv.
00:30:00: man schaut quasi raus aufs Meer was ja oft auch bei Kompositionen mit Freiheit mit Sehnsucht in die Ferne verbunden ist Eine ferne in die Casting erst mal nicht mehr gehen konnte
00:30:10: Und dann wird es noch abstrakter.
00:30:12: In den neunzehnhundertsechziger Jahren malt er Bilder oder Erschafft-Bilder, die hätten genauso gut in Paris oder New York entstehen können?
00:30:24: Ja das war wirklich für Paul Kreisler und mich die große Entdeckung gewesen.
00:30:27: ich gebe ganz offen zu wir hatten am Anfang keine allzu hohe Wertschätzung für das Spätwerk wie man das ja oft so von Künstlern kennt.
00:30:35: dass der spätwerk nicht unbedingt nochmal so wahnsinnig kraftvoll ist Und dass wir keine so gute Meinung von dem Spätwerk hatten, hängt damit zusammen das uns eigentlich vorrangig, ich sag mal sogenannte Gelegenheitsarbeiten bekannt waren.
00:30:46: Also Werke die ja mal beim Kaffee trinken aufm kleines Blatt Papier gemalt gezeichnet hat, Aquarelle die man dann so verschenkt.
00:30:54: aber die eigentlich gültigen Arbeiten sind in keinem deutschen Museum und sie sind auch in den Privatsammlungen also dieser Qualität eher selten.
00:31:04: Und dann war es uns gelungen, Kontakt zum Nachlass also zu den beiden Enkelkindern von Edmund Casting aufzunehmen und sie mehr und mehr für unser Projekt zu begeistern.
00:31:15: Und plötzlich wurden uns Arbeiten vorgelegt wo wir wirklich sprachlos waren eben diese fantastischen farbintensiven vollkommen abstrakten Werke der späten sechziger Jahre die Seite an Seite mit Werken eben der westdeutschen informellen Künstler Emil Schumacher Bernhard Schulze Fried Thieler Aber auch letztendlich die französischen Informellen George Mathieu oder dergleichen.
00:31:36: Sigrid Hofer, eine große Spezialisten für diese Art von Kunst hat für den Katalog auch geschrieben und ordnet Casting eben genau in diesem Kontext ein.
00:31:44: Das heißt, Casting macht nochmal einen fulminanten Spätwerk, wodurch aus Elemente wie Jackson Pollock's Strip Paintings sind also Farbe wird irgendwie mit einem Pinsel oder mit dem Stock aufgetropft auf die Bildfläche Und er hat wieder das doppelte Problem.
00:31:59: In der DDR war es natürlich etwas, was überhaupt nicht salonfähig war für öffentliche Wahrnehmung und umgedreht.
00:32:05: alle in Westdeutschland, Westeuropa haben natürlich nicht wahrgenommen, was da ein Künstler im seinem Atelier in der DDR macht.
00:32:12: Sie haben gerade gesagt sie haben Kontakt zu den Nachfahren aufgenommen und jetzt würde mich interessieren wir haben so einen Werk, was so unterschiedlich ist nach Dresden ins Museum oder in Halle, ins Depot gegangen und haben die ganzen Werke daraus geholt.
00:32:30: Wie lange haben Sie daran gearbeitet?
00:32:31: Und wie schafft man das so eine Ausstellung zusammenzutragen?
00:32:35: Es sind über zweihundert Werke richtig?
00:32:37: Exakt sind es zweihundzwanzig Arbeiten recherchiert und dokumentiert.
00:32:42: In der Datenbank haben wir so circa vierhundertfünfzig arbeiten.
00:32:46: Also im Liebsten hätten wir natürlich alle vierhundertfünfzig gezeigt, aber das gäbe der Platz auch gar nicht her und ich glaube wäre auch wirklich zu viel des Guten am Ende gewesen.
00:32:54: Nein es gibt keinerlei Verzeichnis-Werkverzeichnis seines Werks.
00:32:58: Es gibt von der Ausstellung neunzehnt achtundachtzig in Dresden wenigstens ein Verzeichnissen der Druckgrafik von Kestingen, aber für seine Malerei, seine Fotografie, dass ist alles nicht allumfassend dokumentiert.
00:33:07: Und von unseren oder allen zweihundertzwanzig Werke kommen aus zweinvierzig Sammlungen, also wir haben zweiundvierzig Leihgeber und davon sind es nur zwölf öffentliche Sammlung.
00:33:18: Also Museen.
00:33:19: das heißt nur mit den Beständigen die in Museen vorhanden sind wäre es unmöglich gewesen eine Ausstellung einer Retrospektive zu machen Und da kommt ein Dritter mit ins Boot für unser Projekt.
00:33:31: Also Paul Kaiser und ich haben quasi wissenschaftlich recherchiert, geforscht und den Katalog vorbereitet die Ausstellung gemacht.
00:33:38: aber um an die Werke zu kommen, haben wir einen weiteren Kollegen mit ins Brot geholt nämlich Robert Dämmig von der Galerie Alte Schule in Ahrenz-Hobb Der auch die Ahrenzehoper Kunstauktionen jedes Jahr durchführt.
00:33:50: und Robert Dämig hat in den letzten Jahren, Jahrzehnten muss man sagen regelmäßig auch Werke von Edmund Kesting verauktioniert.
00:33:55: das heißt er weiß wer in Deutschland sich für Edmund Kesting sammlerisch interessiert.
00:34:00: Und er hat uns quasi die Türen geöffnet, Kontakte hergestellt und so ist es uns gelungen, so viele private Sammlung ausfindig zu machen, dass wir jetzt diese Breite präsentieren können.
00:34:12: von den Arbeiten, die ausgestellt sind, sind, glaube ich, achtzig bis fünfundachtzig Prozent aus privaten Sammlungen.
00:34:19: Da steht man und staunt man und sieht man!
00:34:22: Herr Bauer Friedrich, vielen Dank für das Tolle Gespräche und vor allen Dingen vielen Dank für diese wunderbare Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg in Halle Andersale.
00:34:32: Edmund Castingel sollten Sie sich nicht entgehen lassen, bis zum XXV.
00:34:37: Oktober haben sie dafür Gelegenheit.
00:34:39: wer das nicht schafft kann danach bis zum Februar XXII nach Grenoble fahren Und in Arendt's Hub ist das Ganze auch noch zu sehen um zu guter Letzt im Osthaus Museum in Hagen auch noch Stationen zu machen.
00:34:54: Ich verlinke die Termine in den Schoennots und will noch erwähnen, dass es einen fantastischen Katalog zur dieser Ausstellung gibt!
00:35:02: Vielen Dank fürs Lauschen bis zum nächsten Mal.